Astronomen haben mit Hilfe computergestützter Modelle untersucht, ob eine spezielle Klasse von Sternhaufen – oft als 'kosmische Wallflowers' bezeichnet – die Vorläufer der heutigen Kugelsternhaufen sein könnten. Diese Objekte zeichnen sich durch geringe Lichtausbeute und eine ruhige Umgebung aus, in der sie sich weit von den dichten Zentren von Galaxien entfernt gebildet haben.
Die Simulationen deuten darauf hin, dass der Ort der Entstehung und die anfängliche Rotationsgeschwindigkeit eines Sternhaufens über sein langfristiges Überleben entscheiden. Haufen, die in ruhigen, äußeren Regionen entstehen und sich nur langsam drehen, behalten ihre Struktur über Milliarden von Jahren bei und entwickeln sich zu dichten, stabilen Kugelsternhaufen. Solche, die in aktiveren Umgebungen geboren werden oder sich schnell drehen, werden durch gravitative Wechselwirkungen auseinandergerissen oder verlieren ihre Sterne über Zeit.
Diese Erkenntnisse könnten ein lange gesuchtes Rätsel lösen: Warum sind Kugelsternhaufen so alt, so dicht und so homogen? Die 'Wallflower'-Theorie bietet eine plausible Erklärung, indem sie vorschlägt, dass diese Haufen nie in den turbulenten Galaxienzentren entstanden, sondern in stillen, abgelegenen Regionen des frühen Universums. Dort konnten sie ungestört wachsen und sich zu den beeindruckenden Kugeln aus Millionen von Sternen entwickeln, die wir heute um Galaxien wie die Milchstraße beobachten.
Die Forschungsergebnisse wurden im Juni auf dem Preprint-Server arXiv veröffentlicht und eröffnen neue Wege, um die Entstehungsgeschichte der ältesten Sternhaufen zu rekonstruieren. Zukünftige Beobachtungen mit leistungsstarken Teleskopen könnten nach weiteren Hinweisen auf solche 'stillen' Vorläuferhaufen suchen – etwa durch die Analyse der Bewegung und chemischen Zusammensetzung von Sternen in den äußeren Bereichen großer Galaxien.