Ein übersehener Galileischer Mond
Unter den vier großen Monden, die Galileo entdeckte, fällt Callisto aufgrund seiner stark kraterübersäten und scheinbar unveränderten Oberfläche oft hinter Io, Europa und Ganymede zurück. Während Io durch aktive Vulkane ständig neu gebildet wird, besitzt Europa vermutlich einen globalen Ozean unter seinem Eis und Ganymede erzeugt ein eigenes Magnetfeld, zeigt Callisto kaum Anzeichen jüngerer geologischer Prozesse und gilt als nahezu unveränderliches Archiv früher Einschläge.
Infrarotbeobachtungen mit dem JWST
Mit dem Near-Infrared Spectrograph (NIRSpec) und der Near-Infrared Camera (NIRCam) des James Webb Weltraumteleskops wurden spektrale Messungen im Wellenbereich von 0,6 bis 5 Mikrometern durchgeführt. Die Daten zeigen lokale Reflexionsanstiege, die auf frisches Wassereis und möglicherweise veränderte Regolithpartikel hinweisen. Diese Signale sind in Gebieten zu finden, die bisher als alt und unverändert galten.
Bedeutung für die Planetologie
Die Entdeckung deutet darauf hin, dass selbst stark kraterübersäte Monde niedrig intensive Prozesse wie Mikrometeoriten-Einschläge oder thermische Spannungen erfahren können. Damit wird das Bild von Callisto als völlig inaktiver Welt korrigiert und liefert wichtige Anhaltspunkte für Modelle der Oberflächenentwicklung auf eisigen Satelliten im äußeren Sonnensystem.