Hintergrund
Uranus und Neptun gelten seit langem als „Eisriesen“, weil man annahm, dass sich unter ihren Wasserstoff‑Helium‑Atmosphären ein Mantel aus gefrorenen Verbindungen wie Wasser, Ammoniak und Methan befindet. Diese Annahme beruhte auf wenigen Messdaten, die lediglich von den Voyager‑2‑Flügen in den Jahren 1986 und 1989 stammen.
Aktuelle Forschung
Jüngste Berechnungen von Planetologen legen nahe, dass die inneren Drücke und Temperaturen in beiden Planeten so hoch sein könnten, dass das Material im Inneren nicht mehr fest, sondern flüssig‑ oder sogar magmatisch ist. In solchen Zuständen würden die klassischen „Eisschichten“ aufschmelzen und ein Gemisch aus geschmolzenem Gestein und Metall bilden.
Vergleich zu Jupiter und Saturn
Während Jupiter und Saturn ebenfalls überwiegend aus Wasserstoff und Helium bestehen, besitzen sie einen deutlich größeren metallischen Wasserstoff‑Kern. Die neuen Modelle zeigen, dass Uranus und Neptun möglicherweise eine ähnliche, wenn auch kleinere, Kernstruktur haben, die von einer Schicht aus geschmolzenem Material umgeben ist, anstatt einer festen Eisschicht.
Implikationen
Würde sich die Annahme bestätigen, dass Uranus und Neptun eher Magma‑Welten sind, müsste das Verständnis der Entstehung und Entwicklung von Planeten im äußeren Sonnensystem neu bewertet werden. Insbesondere die Wärmeabgabe, das Magnetfeld und die atmosphärischen Dynamiken dieser beiden Planeten würden sich unter dieser Annahme anders erklären lassen.
Ausblick
Weitere Daten, etwa von geplanten Missionen wie dem NASA‑Projekt "Ice Giants" oder von erdnahen Observatorien, sind nötig, um die inneren Zustände genauer zu bestimmen. Bis dahin bleiben Uranus und Neptun weiterhin die am wenigsten verstandenen Planeten unseres Sonnensystems.