Venus wird oft als Erdzwilling bezeichnet wegen ähnlicher Größe und Zusammensetzung, doch im Gegensatz zu unserem Planeten besitzt sie keinen natürlichen Satelliten. Diese Tatsache hat Forschende lange Zeit beschäftigt, weil die meisten terrestrischen Planeten entweder einen Mond haben oder zumindest Hinweise auf frühere Satelliten zeigen.
Eine aktuelle Studie legt nahe, dass Venus möglicherweise einmal einen Mond hatte, der durch einen großen Impact früh im Sonnensystem entstanden ist. Ähnlich wie bei der Erde könnte ein solcher Trümmerkreis kondensiert sein, doch die starken Gezeitenkräfte nahe der Sonne hätten die Bahn des Mondes kontinuierlich reduziert.
In numerischen Simulationen zeigten die Forschenden, dass bei den angenommenen Anfangsbedingungen die Umlaufbahn des Mondes innerhalb weniger zehn Millionen Jahre stark abgesenkt hätte. Schließlich wäre er mit der Venusoberfläche kollidiert und sein Material wäre in die Kruste und den Mantel des Planeten eingearbeitet worden, wodurch jede Spur eines eigenständigen Satelliten praktisch ausgelöscht wurde.
Das Szenario erklärt, warum Venus heute keinen Mond besitzt, während die Erde ihren großen Satelliten behielt. Es wirft gleichzeitig Fragen auf nach der genauen Zusammensetzung der Venusoberfläche und ob isotopische Anomalien oder bestimmte Gesteinsformationen Reste des verlorenen Mondes enthalten könnten. Zukünftige Missionen, die hochauflösende Bodenanalysen durchführen, könnten diese Hypothese prüfen und unser Verständnis der frühen Entwicklung der inneren Planeten vertiefen.