Verzögerte Radioausbrüche nach Sternzerstörung
Forscher, die das Very Large Array (VLA) der National Science Foundation nutzen, haben beobachtet, dass supermassive Schwarze Löcher nicht nur sofort nach einer Sternzerreißung aktiv werden. Nach mehreren Jahren setzen sie erneut Ströme aus Material frei, die mit dem umgebenden interstellaren Gas kollidieren und dabei im Radio leuchten.
Mechanismus der späten Emission
Der Prozess beginnt mit einem sogenannten Tidal Disruption Event (TDE), bei dem das Gravitationsfeld eines Schwarzen Lochs einen Stern zerreißt. Während das erste Leuchten in optischen und hochenergetischen Wellenlängen schnell abklingt, bleibt ein Teil der zerstörten Materie in einer Umlaufbahn zurück. Diese Restmasse kann nach einer Verzögerungszeit von bis zu mehreren Jahren wieder in Richtung des Ereignishorizonts gezogen werden, wo sie als Jet oder Auswurf in das galaktische Umfeld geschleudert wird.
Radio‑„Burps“ als Beobachtungsfenster
Die vom VLA erfassten Radiostrahlen zeigen charakteristische „Burps“, also kurze, aber intensive Ausbrüche. Sie entstehen, wenn die ausgeworfene Materie auf dichtes Gas in der Umgebung trifft und dabei Schockwellen erzeugt, die Teilchen auf relativistische Geschwindigkeiten beschleunigen. Diese Teilchen emittieren Synchrotron‑Strahlung, die im Radio nachweisbar ist.
Bedeutung für das Verständnis von Schwarzen Löchern
Die späten Radioausbrüche liefern wichtige Hinweise darauf, wie Schwarze Löcher über lange Zeiträume Energie in ihre Wirtsgalaxien zurückführen. Sie zeigen, dass die Rückkopplung nicht nur während des unmittelbaren TDE, sondern auch Jahre später noch aktiv ist und damit das galaktische Umfeld nachhaltig beeinflussen kann.
Ausblick
Weitere Langzeitbeobachtungen mit dem VLA und zukünftigen Radioteleskopen sollen klären, wie häufig diese verzögerten Burps auftreten und welche Rolle sie im Gesamtenergiehaushalt von Galaxien spielen.